• Fabian Eckert

Buchreview: Die 3. Alternative von Stephen R. Covey

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Wer unser Buch gelesen hat, weiß, dass wir das Buch "Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg (Dein Erfolg)" von Stephen A. Covey sehr schätzen und Ideen in Bezug auf den Klimaschutz erweitert haben (siehe nachhaltiges Selbstmanagement in unserem Buch oder hier). Ein weiteres Buch von Covey ist "Die 3. Alternative: So lösen wir die schwierigsten Probleme des Lebens (Dein Leben)". Ein ebenfalls zu empfehlendes Buch und in jeder gut sortierten Bücherei zu finden, das wir dir heute vorstellen wollen.


Klar ist, dass das Buch nicht vom Klimawandel oder Umweltfolgen handelt. Aber wie dieses Buch auch vermittelt, sind Lösungen von Problemen oft nicht in denselben Denkmustern zu finden, die dafür verantwortlich sind. Trotzdem oder besonders deswegen möchten wir es euch vorstellen. Denn das Buch greift noch viel höher an und beschreibt, wie gesellschaftliche Probleme wie der Klimawandel, Armut oder Ungleichheiten angegangen werden können und eventuell für alle zufriedenstellend gelöst werden können. Aber nicht nur gesellschaftliche Probleme sollen gelöst werden, sondern auch private. Für uns natürlich der richtige Ansatz, da wir im Buch "Die 35-Tage-Challenge" nicht nur für ein klimafreundliches Leben plädieren, sondern gleichzeitig für ein gesünderes, erfolgreicheres und finanziell unabhängigeres Ich.

Wir würden diesen Fall als Win-Win-Situation beschreiben, Covey nennt es die dritte Alternative.

Wie aber funktioniert es, dass wir unsere Probleme lösen können und dabei gleichzeitig alle Beteiligten zufrieden sind?

Dazu müssen wir uns von unserem Paradigma befreien, dass die eigene Sichtweise die Richtige ist und der Lösungsweg darin zu finden ist (1. Alternative). Zudem darf ich nicht die Sichtweise meines Gegenparts als falsch wahrnehmen (2. Alternative). Wir müssen verstehen, dass sowohl meine Seite als auch die Seite meines Gegenübers meist nicht vollkommen ist. Covey betont immer wieder, dass die Lösung kein Kompromiss sein darf, wenn beide Alternativen zusammengelegt werden. Ein Kompromiss stellt zwar beide Seiten zufrieden, beide Seiten verlieren aber auch etwas (1+1<2). Erst wenn Synergien geschaffen werden, kann die neue Lösung besser sein als die jeweilige Einzellösung (3. Alternative oder 1+1>2).

Das Denken in zwei Alternativen sieht die Konfrontation und nicht die Kooperation vor.

Für Covey ist das "der Schlüssel zur Gestaltung unserer Zukunft". Es treten die Vorteile jedes einzelnen stärker in den Vordergrund, während die einzelnen Nachteile reduziert werden. Erst Alternativlösungen schaffen diese Synergien und befreien uns vom unechten Dilemma, d. h. wir müssen nicht mehr zwischen zwei Alternativen entscheiden (wie z. B. in einer Umfrage bei der nur mit Ja oder Nein geantwortet werden kann).

Covey führt weiter aus, dass ein Kompromiss zwar für viele das Optimum zu sein scheint, aber es letztendlich doch eine Verlust/Verlust-Situation ist. Viele scheitern bei der Suche nach einer Lösung im "2-Alternativen-Denken". Es entsteht ein breites 'Mittelfeld', dass sich für keine Seite entscheiden will und zwischen den Interessen steht. Aufgrund des Mangels an Alternativen wird sich oft gegen Neues gestellt und auf dem Alten beharrt. Dies tritt offen zu Tage, wenn wir vor Problemen stehen, für die es keine einfache, offensichtliche Lösung gibt. Sich dann zu entscheiden, wirkt für viele lähmend. Andere dagegen versuchen, den Mangel zu überspielen, ihre Seite zu verteidigen und am Ende sogar andere von der Richtigkeit dieser zu überzeugen. Das breite Mittelfeld zeigt sich nach Covey z. B. im Arbeitsleben. Es geht täglich zur Arbeit, ohne dabei aber seine wahren Fähigkeiten einzubringen, um die Welt zu verändern und die eigene Zukunft zu gestalten. Stattdessen steht es Neuem skeptisch gegenüber.

Wie geht das 3. Alternative denken?

Hier sieht Covey folgende vier Schritte als notwendig:

1. Ich sehe mich:

ich kenne meine Prinzipien, meine Unsicherheiten und wo ich parteiisch bin. Ich kann mein Handeln objektiv beurteilen.


2. Ich sehe dich als Individuum und nicht als Vertreter einer Ideologie:

Ich akzeptiere dich und deine Position.


3. Ich versuche, dich zu verstehen:

Ich versuche zu verstehen, weshalb du diese Position gewählt hast und urteile nicht nur, weil du anders denkst. Dabei liegt der Fokus nicht darin, zu suchen, wo du falsch liegst, sondern darin, wie dein Wissen und deine Fähigkeiten gewinnbringend eingesetzt werden können.


4. Ich schaffe mit dir Synergien und wir gestalten gemeinsam die Zukunft.

Zu 1.: Ich sehe mich

Gängiger Weise sieht man sich von außen definiert. Wir folgen nicht unseren eigenen Prinzipien und Idealen, die wir ein Leben lang geschärft haben, sondern haben uns das zu eigen gemacht, was unser Umfeld uns beigebracht hat. Hier spricht Covey vom "Wahren Identitätsdiebstahl". Diesen Ansatz finden wir mehr als interessant, denn dieser lässt sich auf viele Probleme der heutigen Gesellschaft anwenden. Hierzu haben wir für das good-news-for-you-Portal einen Podcast verfasst.

Jemand, der das macht, was andere von ihm erwarten bzw. was er glaubt, dass andere gut finden, lebt nicht seine eigene Identität. Er handelt nicht nach eigenen intrinsischen Bedürfnissen, sondern nach von der Gesellschaft geformten. Ein klassischer Irrweg, der auch eine Grundlage des Klimaproblems ist. Wie oft beobachten wir Leute, die gerne mehr für das Klima tun wollen, aber irgendwie in den gesellschaftlichen Zwängen gefangen sind.

Wie aber entkomme ich dem "Wahren Identitätsdiebstahl"?

Dazu sollen wir uns am besten folgende Fragen stellen:

Ist das, was ich als selbstverständlich ansehe, wirklich selbstverständlich? Sehe ich mich selbst? Sehe ich, dass ich nicht vollkommen bin? Sehe ich die an mich selbst gestellten Erwartungen, mein kulturell geprägtes Selbstbild?

"Wer sich selbst sieht, ist Gefangener und frei zugleich"

Hintergrund ist der, dass der, der sich selbst sieht, zugleich Gefangener und trotzdem frei ist. Er ist sich bewusst, dass er nicht alles schaffen kann, er aber auch nicht müde ist, genau dies zu versuchen, da er weiß, dass er mehr bewegen kann als im ersten Blick für möglich gehalten wird (Hierzu haben wir in unserem Buch die Vorbildfunktion als wichtiger Bestandteil jeden einzelnen zum Klimaschutz genannt). Wer allzu überheblich (nur frei) ist, dem fehlt das Reflexionsvermögen. Wer aber zu bescheiden (gefangen) ist, verpasst die Möglichkeiten zur Einflussnahme, und verlässt sich zu sehr auf andere (z. B. auf die Politik).

Änderungen im Leben sollten daher nicht als Hemmschuh betrachtet werden, sondern als Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Es sollte bewusst werden, "jederzeit meine Lebensgeschichte umzuschreiben" zu können, so dass ich nicht "Gefangener" meiner selbst oder der Gesellschaft bin.


Zu 2.: Ich sehe dich

Der zweite Punkt um zur 3. Alternative zu gelangen, geht darum, dass wir uns mehr und mehr bewusst werden sollten, dass der Mensch ein Individuum ist und nicht nach Alter, Geschlecht, Nationalität, Religion usw. eingruppiert werden sollte. Diese Schubladenwahrnehmung hat uns schon viele Problem eingebrockt.

Wenn wir uns dem anderen gegenüber nicht öffnen, können wir auch nicht von seinen Gaben und Fähigkeiten profitieren. Wir beachten die negativen Seiten mehr als die Positiven, um das eigene Überlegenheitsgefühl zu stärken. Wir machen andere zu "Human Resources", wie es in der Arbeitswelt leider der Fall ist.

Zu 3.: Ich versuche, dich zu verstehen

Ein Wachstum oder viel besser eine Weiterentwicklung ist nur möglich, wenn kritische Fragen gestellt und aufrichtig beantwortet werden. Wer kennt es nicht: sobald uns jemand widerspricht oder unsere Handlung kritisiert, gehen wir sofort reflexartig in die Defensive, die entweder von Überheblichkeit oder Unsicherheit zeugt (frei oder gefangen). Es werden Mauern aufgebaut. Eine besonnenere Reaktion wäre viel hilfreicher. Wir sollten verstehen, dass keiner die gesamte Weisheit besitzt. Der Schlüssel in diesem dritten Schritt nach Covey ist das empathische Zuhören. Wir sollten versuchen, zu verstehen, wie und warum der andere so ist und denkt. Wer mit der 3. Alternative vertraut ist, wünscht sich keinen Sieg, sondern einen Wandlungsprozess, der alle Beteiligten umfasst. All dies führt zu einer robusten, gar resilienten Entscheidung: Eine Entscheidung mit Kenntnis oder Vorstellung aller Beteiligten.

Zu 4.: Ich schaffe mit dir Synergien

Nachdem wir uns, unsere Stärken aber auch unsere Schwächen gesehen haben und unseren Gegenüber als gleichwertigen Partner betrachten und verstanden haben, was die Beweggründe meines Partners sind, indem ich die richtigen Fragen gestellt habe und empathisch zugehört habe, ist es nun wichtig, aus all dem Synergien zu gewinnen.

Folgende Handlungsschritte sieht Covey für eine 3. Alternative als hilfreich:

  • wir sollten bereit sein, Synergie zu schaffen, d. h. eine Alternativlösung kann eine Lösung für uns sein

  • wir holen den Partner ab und stellen ihn auf die gemeinsame Lösungsfindung ein

  • Wir stellen Erfolgskriterien auf, dass die angestrebte Lösung besser wird, als alle bisherigen Lösungen (Synergie statt Kompromiss). Hierzu sollte viel Zeit aufgewendet werden, denn sind die Kriterien nicht ausgearbeitet, dann sind Lösungen immer wieder von vorne zu suchen.

  • Zur Lösungsfindung sind neue Denkweise erwünscht, ja sogar notwendig. Dabei sind Prototypen zu erstellen, die keinesfalls gewertet werden dürfen (ähnlich wie wir es vom Brainstorming her kennen)

  • Wichtig dabei: Empathisches Zuhören und anderen Ideen mit größter Offenheit begegnen. Dabei dürfen wir nicht auf unsere Ideen beharren, denn "keine Idee ist unumstößlich"

"Am Ende weiß man, dass man Synergie erlebt, wenn wir nicht abwarten können, andere davon zu erzählen".

Im Buch werden nach der Beschreibung, wie wir zur 3. Alternative kommen, viele reale Beispiele aus ganz unterschiedlichen Bereichen ausführlich beschrieben. Dem interessierten Leser, ist daher die weitere Lektüre zu empfehlen. Hier möchten wir am Beispiel Gesundheitssystem zeigen, was mit der 3. Alternative gemeint ist.


3. Alternative: Ein reales Problem

Viele Gesellschaften haben heute ein Problem mit steigenden Gesundheitskosten einer alternden Bevölkerung. Die beiden gängigen Denkweisen zur Lösung des Problems sind, dass es entweder ein System gibt, bei dem sich jeder das leisten kann, was er auch bezahlen kann, oder aber der Staat greift vollumfänglich ein, was zu erheblichen steuerlichen Belastungen führt. Beide Seiten haben ihre nachvollziehbaren Sichtweisen, beide Seiten aber auch ihre Schwächen. Die Lösung wird derzeit je nach Staat irgendwo in der Mitte gesucht - einem Kompromiss. Folgender Lösungsvorschlag wird nicht betrachtet und liegt deshalb außerhalb des derzeitigen Lösungsbereichs.


Image by ALFONSO CHARLES from Pixabay


Wie wäre es aber, schädliche Lebensmittel wie Alkohol, Weißmehle, Zucker, ungesunde Fette (z. B. tierische), Fertigprodukte, Fast-Food oder auch Abgase stärker zu besteuern und die Einnahmen dem Gesundheitssystem zufließen zu lassen. Des Weiteren wäre eine Sensibilisierung und Bildung der Gesellschaft hinsichtlich gesunder Ernährung, Bewegung oder Stress eine wirksame Methode, eine höhere Allgemeingesundheit zu erreichen. Auf diese Art und Weise ist es nicht notwendig, dass wir geheilt werden, wenn wir krank sind, sondern wir werden einfach viel seltener krank. So bekämpfen wir nicht die Symptome, sondern packen das Problem direkt an der Wurzel. Eine gesundere Gesellschaft wäre die Folge, die Kosten für den Staat deutlich geringer, da weniger Krankheiten eines ungesunden Lebensstils anfallen. Beide Seiten und sogar die Wirtschaft würde davon deutlich profitieren. Der Staat könnte sich anderen sehr wichtigen Problemen widmen und der Bürgern würde sich erheblich Steuern sparen und sich für die lange Rente ansparen, wenn er oder sie gesund altert.

Leider aber suggeriert unser Gesundheitssystem die "Reparierbarkeit" unseres Körpers, d. h. wir stellen unseren Körper als Maschine vor, der durch Medikamente wieder "repariert" werden kann. Auch lockt die Lebensmittelindustrie und wirbt damit, dass der Verzicht gleichzusetzen ist mit dem Verlust von Lebensqualität. Aber ist ein gesunder Körper und Geist nicht Lohn genug für den gesunden Verzicht?

Für uns eine klare Leseempfehlung.

Ökorebellen-Tipp: Ein Buch von Covey ist auch immer ein Arbeitsbuch. Es werden so viele Inhalte auf kurzer Zeit präsentiert, dass es zu schade wäre, dass diese nach ein paar Wochen wieder vergessen werden. Nimm also auch mal zwischendrin eine Zettel und einen Stift und mach dir deine Notizen.

Der Ansatz zur Problemlösung auf eine 3. Alternative zurückzugreifen, können wir täglich durchleben. Wir werden dies in Sachen Klimaschutz in kommenden Blogbeiträgen tun. Die nächsten Wochen und Monate werden wir immer wieder Win-Win-Situation für euch ausarbeiten. Also stay tuned ;)

0 Ansichten

Nachhaltigkeit | Öko-Rebellen | Vegan | Bach/Donau | 35-Tage Challenge

  • Pinterest

©2019 by Öko-Rebellen