• Fabian Eckert

Greenvestment III: Wohin mit meinem Geld?

Aktualisiert: Nov 17

In den letzten beiden Artikel der Serie haben wir dir vorgestellt, wie du dir ganz nebenbei im Laufe eines Jahres ein Vermögen beiseiteschaffen kannst, ohne dabei mehr zu verdienen bzw. überhaupt viel verdienen zu müssen. Nach einigen Jahren schafft dir dies eine ungemein wichtige finanzielle Freiheit, die dir in vielen Entscheidungen des Lebens deinen Rücken freihält. Die sparsamere und achtsamere Lebensweise sowie das angesparte Geld können auch schwierige Lebensphasen überbrücken, ohne dass du dich gleich von anderen abhängig machen musst. Zum anderen ermöglicht dir dies die Freiheit, dein Leben so zu gestalten, wie du es für richtig hältst. Mit Haus und Kindern wird dies umso schwerer, beginne also bereits früh damit.

Du darfst nur nicht in die Falle des finanziellen Rebounds fallen, bei dem du zwar auf der einen Seite Geld durch eine achtsamere Lebensweise einsparst, dir dafür auf der anderen Seite das ein oder andere mehr gönnst.

Für uns ist die Reduzierung der Ausgaben in der Serie 1 nicht das Ende der Fahnenstange. Um sein Vermögen weiter auszubauen, könnten wir noch mehr arbeiten, um mehr zu verdienen. Wir sehen aber in einem nachhaltigen Leben auch ein Leben, das in Balance ist. Mehrarbeit ist nicht immer damit vereinbar, außer diese ist selbstbestimmter Natur, was aber oft nicht der Fall ist. Außerdem wollen wir nicht Getrieben vom Gehalt sein und lieber das machen, was uns mit Sinn erfüllt.

Neben Sparen bzw. mehr zu verdienen gibt es aber noch eine dritte Art, unser Vermögen auszuweiten. Nämlich: indem wir unser Geld in kluge Geldanlagen stecken. Klar werden wir an dieser Stelle keine Empfehlung für einen DAX-ETF ausgeben, außer du willst dein Geld in Firmen stecken, die Kohle verbrennen, Verbraucher mit Abschalteinrichtungen täuschen, ihr Geld mit Rüstung verdienen oder umweltschädliche, vielleicht sogar krebserregende Düngemittel herstellen. In den letzten Jahren sind aber viele Möglichkeiten entstanden, wie du dein Geld auf nachhaltige Weise für dich arbeiten lassen kannst. Überrenditen werden damit nicht erzielt, aber doch deutlich mehr als auf dem Sparbuch. Überrenditen sind meist nur durch eine Ausbeutung zu erzielen (manchmal hat man aber auch Glück). Im Buch haben wir ausführlich das Potenzial des ökologischen Zinseszinseffektes dargestellt. Daher möchten wir an dieser Stelle darauf nicht näher eingehen. Aber es ist dieser Effekt, auf den es ankommt, und sich erst damit die ganzen Mühen lohnen werden, die wir in den vorherigen zwei Artikeln beschrieben haben.

Von Experten oder auch Freunden kannst du dir Tipps und Tricks abschauen, wie Geldanlage funktionieren kann. Am Ende solltest du aber selbst verstehen und auch Interesse darin haben, was mit deinem Geld gemacht wird. Sogar Warren Buffett investiert nur in Dinge, die er auch selbst vollkommen versteht. Daher wollen wir dir hier keine Empfehlung eines spezifischen Finanzproduktes aussprechen. Auf der anderen Seite nennen wir dir verschiedenen Anlagemöglichkeiten und zeigen dir, auf was es zu achten gilt, wenn dein Portfolio auch dunkelgrün sein soll.

1. Aktien

Ein guter Finanzplan sieht vor, dass eine gewisse Streuung vorhanden ist. Daher bieten sich alle vier Optionen auch für dein Portfolio an. Wirklich nachhaltig zusammengestellte Fonds und deren strenge Kriterien können dir helfen, Aktien für dich zu finden, in die du gerne investieren willst. ETFs gibt es nur sehr wenige, die unseren Ansprüche genügen, oft sind auch Aktien vertreten, die nichts mit Nachhaltigkeit im engeren Sinne zu tun haben. Hierzu können dir Berichte aus Stiftung Warentest und Ökotest helfen, die in regelmäßigen Abständen Fonds und ETFs bewerten und deren Zusammensetzung durchleuchten. Nicht börsennotierte Aktien bilden von der Menge das untere Ende ab, sind aber aus Sicht einer wirklich nachhaltigen Portfoliogestaltung sehr zu empfehlen. Diese sind weniger den Spekulationen ausgesetzt wie Aktien an der Börse. Acht gegeben werden muss, dasich dafür meist nicht so schnell Abnehmer finden. Aber das macht nichts, da wir ja keine schnellen Gewinne anstreben, sondern langfristig denken.


2. Beteiligungen an Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien (EE) als Sachwertanlagen

In Beteiligungen an Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien liegt der größte Hebel als Privatinvestor, den du haben kannst, wenn du keine eigenen Flächen zur Verfügung hast. So kannst du direkt in Photovoltaik- oder Windkraftanlagen (oder andere) investieren und du siehst direkt (meist über eine Jahresbericht), wie viel die Anlage Strom erzeugt und welchen Beitrag du leistest.

Meist wird hier das Kapital über eine längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz gebunden, der in Abhängigkeit des Ertrages auch schwanken kann. Wobei zu sagen gilt, dass die eingesetzten Simulationsmodelle meist so gut sind, dass der tatsächliche Ertrag am Ende relativ genau dem errechneten Ertrag entspricht. Solltest du einen seriösen Anbieter wählen, kann mit hoher Gewissheit gesagt werden, dass das rauskommt, was versprochen wird. Da die EE-Anlagen meist durch eine Einspeisevergütung vergütet werden und diese vom Gesetzgeber kommt, ist das Geschäftsmodell sehr sicher. Der Gesetzgeber ist aber auch gewillt, Überrenditen zu vermeiden. Daher sollte darauf geachtet werden, dass hohe Zinssätze meist nur durch ein besonderes Geschäftsmodell zu erreichen sind oder das Risiko einer Fehlkalkulation hoch ist. Wenn also der Zins über dem allgemeinen Durchschnitt liegt, solltest du dir das Geschäftsmodell näher ansehen. Verstehst du dies nicht, dann solltest du am besten die Finger davon lassen. Denn eine solche Kapitalanlage ist auch mit Risiken verbunden, d. h. es kann sogar in einem Totalverlust enden, wenn das Unternehmen pleitegeht oder auch nur schlecht kalkuliert hat. Meist ist aber die Haftung des Anleger auf die Höhe der Einlage beschränkt.

Näheres dazu wie die jeweilige Gesellschaft, die die Kapitalanlage herausgibt, aufgebaut sein kann bzw. welche Art von Fonds es gibt, kannst du unter folgendem Link lesen.

Unter Beteiligungen an EE-Anlagen haben Nachrangdarlehen eine breite Basis gewonnen. Nachrang heißt, dass im Falle einer Insolvenz der Investor, der das Nachrangdarlehen gewährleistet, erst nach den Ansprüchen des ersten Ranges bedient werden (z. B. nach Banken). Erst wenn dann noch Geld übrig ist, werden die Rangnächsten ausbezahlt. Da hier die Reglementierung weniger streng ist wie bei Aktien oder Anleihen, sollte hier auf die Seriosität eines Emittenten geachtet werden. Der Emittent ist der Herausgeber der Geldanlage. Ein guter Hinweis, solche potenten Emittenten zu finden, ist eine gute Internetrecherche. Viele Nachrangdarlehen werden ebenfalls von Drittplattformen beworben, die oft zusätzliches Informationsmaterial haben, die die Kapitalanlage geprüft haben und zudem ihr Gesicht nicht verlieren wollen, wenn eine Gesellschaft pleitegehen würde, die sie empfohlen haben. Auch Nachrangdarlehen haben bei einer festen Laufzeit einen fest vereinbarten Zins.

Erneuerbare Energien sind aber nicht die einzigen Möglichkeiten. Auch andere Player (z. B. Start-Ups) aus anderen Wirtschaftszweigen, die eine Transformation des Wirtschaftssystems vorantreiben wollen, bieten Beteiligungsmöglichkeiten an. Start-Ups bieten z. B. auch Partizipationsmöglichkeiten via Crowdfunding an. Eine riskantere, aber meist schon mit geringerem Geld finanzierbare Gelegenheit, sich an einen Unternehmen zu beteiligen. Ebenso ist hier eine gute Recherche wichtig. Zudem kann eine Internetrecherche eine Blick darüber geben, ob das Unternehmen bereits erfolgreich tätig ist. Solltest du aber z. B. die Artikel des Unternehmens dahinter selbst nicht nutzen, dann solltest du auch keine Investition tätigen. Ein gewisses Interesse sollte schon vorhanden sein, um sich regelmäßig zu informieren. Das gilt für jede Geldanlage


3. Deine eigenen vier Wände

Auch zu Hause kannst du gute "Investitionen" tätigen. Die zu den oben genannten Beispielen naheliegende Lösung ist eine eigene Photovoltaik-Anlage. Die Vergütungssätze sind zwar bei weitem nicht mehr so hoch wie damals, dafür sind in den letzten Jahren die Anlagenpreise ebenfalls deutlich gesunken. Heute wird die Rendite dagegen mit dem Eigenverbrauch gemacht und das lohnt sich mit sinkenden Modulpreisen bzw. steigenden Strompreise immer mehr.

Eine weitere Investition, die du unbedingt tätigen musst, ist der Austausch der Heizungsumwälzpumpe, sollte deine noch alt sein. Die Investition ist zwar nicht so hoch, aber je nach deinem alten Modell, hat sich das Neue bereits nach weniger als zwei Jahren amortisiert und du sparst anschließend bares Geld und Ressourcen!

Auch ohne eigenes Haus, kannst du zu Hause investieren. Du solltest dir ein Strommessgerät kaufen oder leihen, mit dem du Stromfresser ausfindig machen kannst. Oft schlucken alte Kühlschranke, Gefrierschränke oder andere Großgeräte ordentlich Strom und eine Neuanschaffung kann durchaus Sinn machen und sich nach wenigen Jahren amortisieren. Naja Glühbirne oder Halogenstrahler solltest du ja bereits ausgetauscht haben, hoffe ich ;)

Ohne Heizen geht es (leider) in unseren Breiten nicht, dennoch kann auch hier neben der suffizienten Nutzung (wenig benutzte Räume kühler lassen, Raumtemperatur allgemein etwas reduzieren), eine intelligente Wärmenutzung Sinn machen. Für deine Raumthermostate solltest du dir steuerbare Ventile kaufen. Die sind für wenig Geld zu haben und können durch eine Programmierung von Zeiten und Temperaturen laut Hersteller bis zu 30 % der Heizenergie sparen. Da diese relativ wenig kosten, hast du hier ebenfalls eine gute Rendite.

Halte deine Augen offen, es gibt überall "Energiefresser", die wenn du ihnen das Maul stopfst, gute Rendite abwerfen ;). Für Tausend Euro kannst du dir die Sachen mit höchstem Einsparpotenzial herauspicken und ordentlich Geld einsparen.


4. Tipps & Tricks und Fazit

Wie schon in der Folge 1 gesagt, brauchst du ein paar Tugenden, um erfolgreich zu sein:

Nutze folgende, einfache Regeln:

  • Bezahle zunächst dich selbst

  • Auch kleine Beträge summieren sich am Ende

  • Zinsen sind Teil der Sparrate. Nur so kommt es zum Zinseszinseffekt

  • Stecke dir anspruchsvolle, aber umsetzbare Sparziele (SMART, siehe Buch)

  • Greife nicht (außer in Notfällen) auf dein Erspartes zurück. Hier sollte ein klare Grenze zwischen deinem freien Budget und deinem Gesparten sein. Vermische es nicht. Spare also nur so viel weg, wie du am Ende auch wirklich entbehren kannst und greife nicht am Ende des Monats doch noch darauf zurück.

  • Investiere erst, bevor du konsumierst. Je früher du anfängst, desto höher fällt der Zinseszinseffekt aus. Versuche also vor allem in jüngeren Jahren zu sparen und zu investieren, anstatt dich frühzeitig ins Hamsterrad zu begeben und erst beginnen zu sparen, wenn es leicht fällt, etwas wegzubringen. Letzteres wird aber nie geschehen, denn mit steigendem Einkommen wird auch dein Lebensstandard steigen. Dies ist nicht nur der Tod für deine private Altersvorsorge sondern auch für das Klima.

Wir sind uns bewusst, dass wir eigentlich vom Wirtschaftssystem Kapitalismus, vor allem vom heutigen, der durch immer steigenden Konsumausgaben genährt wird, wegkommen müssen. Dennoch ist dieser das derzeitige Wirtschaftssystem und daher wollen wir dessen Mechanismen für uns und für das Klima gewinnbringend einsetzen. Eine wahre 3. Alternative! So können wir unseren Beitrag ausweiten, ohne politische Entscheidungen zu beeinflussen. Graues Kapital wird abgezogen und stecken dieses in dunkelgrüne Geldanlagen.

Die in der Dreierreihe vorgestellten Maßnahmen ziehen Kapital durch einen entschleunigten Konsum und Suffizienz aus dem grauen Bereich ab und führen es dann einer nachhaltigen Ökonomie zu. Sollte sich am Ende doch eine Postwachstumsökonomie durchsetzen, so haben wir zum einen unseren Lebensstil bereits daraufhin ausgerichtet und zum anderen können wir ohne Schwierigkeiten das geringere Einkommen durch das Ersparte kompensieren, ohne z. B. auf staatliche Hilfe angewiesen zu sein!


P.S.: Erst am Samstag 14.11.2020 war im SZ Spezial GELD eine Bewertung verschiedener Fonds. Dabei haben viele eine hohes Rating bezüglich Nachhaltigkeit. Auch bei diesen vermeintlichen Top-Performern sind Firmen zu finden, wie Microsoft, Apple, Nike, Mastercard, Nintendo. Leider ist dies bei vielen Fonds-Zusammensetzungen so. Auch wenn dies keine Firmen sind, die auf Kohle, Atom oder Waffen setzen, haben diese aber dennoch nichts bzw. nur einen sehr geringen Platz in einem dunkelgrünen Portfolio zu suchen. Sieh es wie bei einem guten Öko-Stromanbieter. Nur wer ausschließlich solche vertreibt, bei denen ist ein hoher Grad an Nachhaltigkeit gewährleistet, z. B. Triodos Fonds, Fonds von ÖkoWorld oder der GLS Bank.

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