• Fabian Eckert

Klimafaktencheck IV: Digitalisierung

Aktualisiert: Apr 3

Maßlosigkeit. Dies trifft auf viele Probleme des Alltages zu, auch auf unsere Klimaschutzbemühungen. Ich habe für mich mal ausgemacht, dass der Titel meines Buches, sollte ich eines schreiben, "Selbstbeherrschung am Buffettisch" heißen soll. Das hat sich nicht bestätigt, aber viele Ideen dazu, sind auch in unserem Buch "35 Tage Challenge - Dein Weg in ein umweltbewusstes Leben" enthalten. Für mich trifft diese Metapher den Nagel auf den Kopf. Denn die meisten kennen wohl die Tatsache, vor einem vollen Buffettisch zu stehen und das zu essen, was man vielleicht nicht gerade essen will, sich mit geringer Qualität und stattdessen mit hoher Quantität zufrieden zu geben und zu guter Letzt nicht Maß halten zu können, d. h. es wird viel mehr gegessen als gewünscht wäre bzw. als überhaupt notwendig wäre.


Diese Metapher lässt sich auf viele Dinge des Lebens umschreiben, das Problem bleibt aber immer das gleiche. Wir können aufgrund der großen Vielfalt nicht maßhalten. Sei dies beim Konsum, wo wir viel mehr kaufen als notwendig ist, sei es bei der Ernährung, wo wir nichts verpassen wollen und teilweise alles in uns stopfen, auch wenn es gesundheitlich sehr bedenklich ist, oder bei unseren Urlaubsreisen, bei denen wir die Auswirkung auf das Klima komplett ausblenden. Ein weiteres Thema, das diese Maßlosigkeit par excellence ausdrückt, ist unsere Internetnetzung, mit tiefgreifenden Folgen für uns und das Klima. Da dies bei vielen noch nicht angekommen ist, möchten wir dies in diesem Klimafaktencheck mal vor Augen führen. Nico Paech bezeichnet die Digitaliserung (neben der Mobilität) sogar als den "Sargnagel" unserer Zivilisation [5].

  • Die Digitalisierung ist bereits heute für 4 % der globalen Emissionen verantwortlich (Steigerung um ca. 50 % seit 2013) [4]

  • Der Energiebedarf der Digitalisierung steigt um 9 % pro Jahr [4]

  • Ändert sich die Internetnutzung nicht, wird 2025 das Internet mehr Emissionen verursachen als der globale Autoverkehr [2]

  • In diesem Tempo frisst die Digitalisierung alle Bemühungen um eine Dekarbonisierung auf (d. h. der Mehrverbrauch ist höher als alle Einsparungen an CO2 durch Effizienzmaßnahmen und erneuerbare Energien) [4]

  • Dieser Trend ist kein weltweiter Trend, sondern wird vor allem durch die reichen westlichen Länder angeheizt [4]

  • 34 % des globalen Datenverkehr entsteht durch Streaming von Videos auf Facebook, Youtube oder Streamingplattformen wie Sky, Amazon Netflix usw., Tendenz stark steigend [4]

  • Der positive Effekt der Digitalisierung (z. B. Homeoffice statt mit dem Auto zur Arbeit, oder Videokonferenz statt Flug etc.) ist noch nicht zu bestimmen. Wobei vermutet wird, dass Reboundeffekte die positiven Effekte schmälern bzw. komplett umkehren könnten, wenn sich daran gewöhnt wurde (z. B. nur noch Videokonferenzen statt einfache Anrufe). Auch schaffen gewisse Maßnahmen erst die Voraussetzung für Neuerungen, die mit weiteren Emissionen verbunden sind. On Demand Services, Binge-Watching (bspw. Serienmarathons), Internet of Things (siehe unten) etc. [4]

  • Eine Änderung unseres digitalen Lebensstils von ausschweifend in Richtung Genügsamkeit könnte laut des französischen Think Tanks The Shift Project den Anstieg auf 1,5 % pro Jahr reduzieren, was aber dennoch nicht im Einklang mit den Pariser Klimaschutzzielen ist. Weitere und schnelle Maßnahmen wie der Betrieb von Rechenzentren mit Erneuerbaren Energien und Energieeffizienzmaßnahmen sind notwendig. [4]

(Im genügsamen Szenario werden immer nur die effizientesten Geräte neu gekauft und auch nur dann wenn diese ihr Lebensende erreicht haben. Zusätzlich werden unnötige, hochintensive Nutzung des Datenverkehrs reduziert (z. B. unnötige Videos per Chat versenden, aber auch Streaming am Handy mit höchster Auflösung, obwohl mit deutlich geringerer Auflösung keine Unterschiede zu erkennen sind). Ich denke, jeder selbst kann beantworten, ob er eher der genügsame ist oder der ausschweifende Typ ist).


  • Die Internetnutzung und damit der Datenverkehr explodiert: [1]

- die Anzahl der Geräte global und pro Nutzer steigen,

- der Videodatenverkehr und Video-on-Demand (VOD) mit immer höherer Qualität (HD und UHD) nimmt immens zu und

- der Trend geht hin zu immer mehr Streaming,


All dies lässt die Internetnutzung im Jahr um 25 % steigen. Effizienzsteigerungen und Erneuerbare Energien können schon lange mit dem Tempo nicht mehr mithalten. IoT-Anwendungen sollen in 2020 laut Cisco etwa 35-mal mehr Daten aufzeichnen als 2018 in den Rechenzentren an Kapazitäten zur Verfügung standen. Die Grafik zeigt den Boom des Datenverkehrs und die jeweilige Nutzung



Quelle: [1]


Einen Film mit einer Laufzeit von 90 Minuten mobil in UHD anzuschauen, verbraucht unglaubliche 10,2 kWh Strom. Hierin ist der Strom für die Datencenter, das Mobilfunknetz und das Endgerät eingerechnet. Oder 4,6 kg (CO2) oder eine Fahrt mit dem Auto (5,5 l/100 m) von 36 km! In niedriger Qualität mit dem WLAN sind es lediglich 400 Meter mit dem Auto. [3, 4]



Quelle.:  [3, 4] und eigene Berechnungen



Allgemeine Tipps:


  • Wlan statt mobile Daten nutzen

  • Kleinere Displays verwenden, da dort auch eine niedrige Auflösung ausreichend ist

  • Nicht alle Daten auf die Cloud. Nur welche, die man wirklich mit anderen teilen will oder die man auf anderen Geräte auch benötigt

  • Nicht alles (Fotos, Videos) weiterleiten oder in Gruppen teilen

  • Audioanrufe statt Videotelefonie, z. B. im Homeoffice

  • Suchmaschinen nur für wichtige Suchen verwenden. Schnellzugriffe speichern oder URLs direkt eingeben

  • Autoplay-Funktion ausstellen

  • Energieeffiziente Anbieter wählen

  • Schaue Filme etc. nicht allein und mache es dir nicht zur Abendgewohnheit. Hebe es dir für Abende auf und mache z. B. einen Filmeabend mit Freunden

  • Schaue Filme statt Serien, dann ist nach einem Film Schluss

Öko-Rebellen-Tipps:


  • Leih dir einfach eine DVD in der Bücherei aus. Dort triffst du eine Auswahl in der Masse (Qualität) und nach dem Film ist Schluss, anders als auf Streamingdiensten

  • Kostenlose Internetnutzung hat seinen Preis, nämlich Werbung. Werbung führt zu mehr Konsum und damit zusätzlich zu einer höheren Klimabelastung. Nutze das Internet also bewusst.

  • Ausbau von erneuerbare Energien weiter stärker vorantreiben, z. B. durch ökologische Geldanlagen

  • Kümmere dich um die wichtigen, aber nicht dringlichen Dinge des Lebens (siehe nachhaltiges Selbstmanagement in unserem Buch)

- Entspannung: Buch lesen statt Streaming

- Gesundheit

- Sport treiben statt auf der Couch sitzen, gehe mit deinem Partner/Partnerin spazieren und lass den Tag Revue passieren

- Kochen statt Kochsendungen anschauen

- Geh früher ins Bett und schlafe aus anstatt noch eine weitere Folge zu schauen. So lässt sich auch der nächste Kaffee vermeiden

- Soziale Kontakte: Freunde und Verwandte treffen statt nur online

- Hobbies: Mache Streaming oder stundenlanges Rumlungern auf Social-Media-Plattformen nicht zu deinem Hobby

- Bildung: Nutze z. B. die Zeit in öffentlichen Verkehrsmittel für ein Sachbuch und lass das Handy in der Tasche

- nutze deine frei gewordene Zeit für soziales Engagement. Hierzu bringen wir demnächst eine separaten Artikel



Quellen:

[1] (2017b). Cisco Visual Networking Index: Forecast and Methodology, 2016–2021. sur https://www.cisco.com/c/en/us/solutions/collateral/service-provider/visual-networking-indexvni/complete-white-paper-c11-481360.pdf.

[2] https://www.bmu.de/digitalagenda/

[3] https://galaxy-tipps.de/wie-viel-datenvolumen-verbrauchen-streams-filme-videos-in-mb/

[4] LEAN ICT; TOWARDS DIGITAL SOBRIETY ; REPORT OF THE WORKING GROUP DIRECTED BY HUGUES FERREBOEUF FOR THE THINK TANK THE SHIFT PROJECT – MARCH 2019; The Shift Project


[5] https://www.youtube.com/watch?v=9DKN_GRzLUY

35 Ansichten

Nachhaltigkeit | Öko-Rebellen | Vegan | Bach/Donau | 35-Tage Challenge

  • Pinterest

©2019 by Öko-Rebellen