• Fabian Eckert

Klimafaktencheck V: Alltägliches CO2-Fasten

Im Buch gehen wir in Tag 3 "Gestalte die kleinen Dinge des Alltags ökologischer" darauf ein, dass auch die vielen kleinen Dinge am Ende des Jahres eine große Wirkung haben und dies nicht übersehen werden darf. Wir sind täglich ständig damit konfrontiert, Handlungen auszuführen, die eine ökologische Wirkung haben. Sogar dem Zähneputzen oder der Nutzung der Toilette kann ein, wenn auch sehr kleiner ökologischer Fußabdruck zugrunde gelegt werden. Kleinvieh macht eben auch Mist!


Deswegen möchten wir dir in diesem Klimafaktencheck mal einen Alltag von zwei Personen durchspielen und zeigen, wo welche CO2-Emissionen anfallen und wie sich eine klimafreundliche Lebensweise auf deinen CO2-Fußabdruck auswirken kann.

Alltag 1: Der unbewusste Verschwender:

Du stehst auf und schaltest ineffiziente Halogenlampen an. Diese brennen in vier Räumen durchgehend für eine Stunde (á 60 W macht 117 g CO2). Schnell noch die Heizung im Bad hochdrehen und den ganzen Tag vergessen, da eigentlich Frühling ist (1255 g). 10 Minuten mit warmem Wasser duschen (1080 g) und anschließend 5 Minuten föhnen (75 g) statt mit dem Handtuch trocknen. 3 Minuten Zähneputzen und lauwarmes Wasser dabei laufen lassen (220 g). 500 ml Kaffee ist bereits gekocht (350 g), die Kaffeemaschine ohne Thermoskanne erhitzt den Kaffee aber 45 Minuten lang (22 g). Schnell noch das Marmeladen-Brot mit Butter verschlungen (588 g) und da du zu spät dran bist, wird mit dem Auto auf die Tube gedrückt, anstatt vorausschauend 15 Kilometer in die Arbeit zu fahren (3000 g). In der Arbeit weckst du den PC auf, der die ganze Nacht im Stand-By lief (36 g) und richtest dir zwei Liter Mineralwasser parat (420 g). Noch schnell fünf Emails ausgedruckt und abgeheftet (18 g), dann in die Mittagspause und dort Currywurst mit Pommes (2360 g ohne Zubereitung), dazu Mineralwasser (105 g) und abschließend ein Espresso (175 g). Nachmittags läuft das Licht in der Arbeit durch, obwohl kein Licht benötigt wird (705 g). Aber man selbst muss es ja nicht zahlen. Viermal Toilette mit drei Papierhandtücher (54 g) und warmen Wasser beim 20 sekündigen Einseifen (100 g). Nachmittags noch einen Kaffee (175 g) und einen Bericht mit 30 Seiten auf Frischfaserpapier einseitig drucken (110 g). Nach Hause mit dem Auto ohne Hatz durchgekommen (2060 g), schnell die Waschmaschine mit Kochwäsche an (940 g), aber nicht im Ecomodus, da du nicht mehr so lange warten willst. Kurz die Tiefkühlpizza in den Ofen (Pizza 625 g, Ofen 300 g). Während auf die Pizza gewartet wird, wird noch schnell die neue Jeans gekauft, die gerade In ist (25.280 g). Die Wäsche in den alten Kondenstrockner legen (1467 g). Vor dem Zubettgehen wird noch eine Packung Chips (570 g) und ein Glas Wein (470 g) vor dem Fernseher verdrückt (3 Stunden; 220 g).


Zusammen machen alle Handlungen 43 kg CO2 aus, also fast 2 % des klimaverträglichen Budgets an nur einem Tag. Das Beispiel mag an mancher Stelle etwas übertrieben sein, aber abwegig ist es nicht und könnte so den Alltag einer Person widerspiegeln (bis auf die Jeans vielleicht, die wird nicht täglich gekauft). Aber es sind auch viele Aspekte des Alltages nicht berücksichtigt.


Mit einer vorbildlichen Lebensweise ohne Ökostrom sieht der Alltag folgendermaßen aus.


Alltag 2: Der bewusste Reduzierer:

Nur eine der vier LED-Lampen brennt, immer dort wo sich gerade aufgehalten wird (3 g). Die Heizung lässt du aus, dicke Socken und ein Morgenmantel tun ihr bestes. Danach folgen drei Minuten Zähneputzen, ohne das Wasser laufen zu lassen. In der Früh trinkst du eine große Tasse Kräutertee (30 g) und Müsli mit Haferfocken, Apfel und Sojamilch (350 g). Danach werden die 15 Kilometer zur Arbeit mit dem Bus gefahren (285 g). In der Arbeit wird der PC hochgefahren, sich ein Liter Leitungswasser bereitgestellt (0,2 g). Die E-Mail legst du nach dem Lesen digital ab. Mittag trinkst du einen halben Liter Mineralwasser (105 g) und isst einen Linseneintopf mit Gemüse der Saison und Kartoffeln (430 inkl. Zubereitung). Nachmittags wird das Licht ausgeschaltet und wieder ein Liter Leitungswasser getrunken (0,2 g). Viermal Toilette mit einem Papier zum Händewaschen (18 g) plus Einseifen mit kaltem Wasser. Der Bericht mit 30 Seiten wird doppelseitig auf Recyclingpapier gedruckt (27 g). Abends fährst du wieder gemütlich mit dem Bus zurück (285 g). Schnell ein One-Pot Gericht mit Buchweizen und Gemüse der Saison (400 g) gekocht und die Waschmaschine auf 30 °C und Ecomodus (122 g) eingeschalten. Während die Waschmaschine läuft, wird Krafttraining gemacht und danach geduscht, lauwarm und 5 Minuten (375 g). Geshoppt wird nicht, da du genügend Hosen im Schrank hängen hast. Noch schnell die Wäsche aufgehängt und vor dem Zubettgehen isst du für den kleinen Hunger noch eigene Zwetschgen mit einer Handvoll Walnüssen (65 g).

Am Ende des Tages summieren sich all deine Handlungen auf 2,5 kg oder 0,11 % des klimaverträglichen Budgets, obwohl bis auf die Jeans alles erledigt wurde wie oben, nur eben auf klimafreundlichere Weise.


CO2-Zählen ist wie Kalorienzählen. Es macht durchaus Sinn zu wissen, was wie viel Energie benötigt und CO2 emittiert. Am Ende bist du aber nur erfolgreich und setzt deine „Diät“ fort, wenn langfristige Veränderungen gemacht werden und sich nicht nur auf die reinen Zahlen fokussiert wird. Am Ende ist nicht mehr die Menge ausschlaggebend, sondern ob es sich richtig anfühlt.


Quellen:

- www.klimateller.de

- Pendos CO2-Zähler, 2007, Andreas Grabolle, Tanja Loitz; ISBN-13:978-3866121416

- eigenen Berechnungen

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