• Fabian Eckert

Linearität kann die Welt nicht retten

Aktualisiert: Jan 11

Die meisten, die als Ausrede benutzen, dass sie als Einzelperson sowieso gegen den drohenden Klimawandel nichts unternehmen können und daher auch nichts dagegen tun, haben Recht. Ich kann als Einzelperson für mich betrachtet höchstens einmal 8 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen, um vom durchschnittlichen deutschen CO2-Bedarf von 10-11 Tonnen auf 2 Tonnen CO2 herunterzukommen. Das ist nicht viel in Anbetracht dessen, dass dies 80 Millionen Deutsche machen sollten. Alle Anstrengungen scheinen umsonst.



ABER: die Welt ist kein lineares System! Hätte jeder Mensch der Erdgeschichte die oben beschriebene Einstellung, hätten wir höchstwahrscheinlich kein Klimaproblem, aber auch keinen Ackerbau, keine Schrift, kein Gesetz, keinen Strom und sonst alles, was die heutige Gesellschaft ausmacht. Wir würden immer noch Jäger und Sammler sein und jeden Winter herbeifürchten. Da sich aber viele Personen der Vergangenheit (jemanden speziellen zu nennen wäre gegenüber allen anderen unfair) aus diesem linearen Denken befreit und begriffen haben, dass sie mehr erreichen können als nur ihren eigenen Dunstkreis zu beeinflussen, stehen wir heute da, wo wir sind.


Übertragen auf den Klimawandel bedeutet dies, dass jeder einen sehr wichtigen Beitrag zur Reduktion der Erderwärmung beitragen kann - der eine mehr, der andere weniger. Aber wie so oft, zählt jedes Rad am Wagen. Wer also seine Scheuklappen ablegt und begreift, dass sein Handeln mehr Reichweite hat als nur die eigene Person betreffend, kann einen wirklichen (großen) Einfluss auf die Bekämpfung des Klimawandels oder andere gesellschaftliche Probleme haben. Wer aber glaubt, dass alleine die Politik es richtet und er oder sie sich auf diesen Gedanken ausruht, wird eines Tages zu der Gewissheit gelangen, dass nur halb so viel passiert ist, wie notwendig.



Stellen wir uns folgendes Beispiel vor: Drei Lehrer unterrichten an einer Schule unterschiedliche Klassen. Jeder Lehrer hat 20 Schüler. Der eine Lehrer verlässt sich auf die Politik und hofft auf eine ambitionierte Klimapolitik und kann dadurch seine Emissionen pro Jahr nur um eine Vierteltonne pro Jahr senken. Die zweite Lehrerin ist eine absolute Verfechterin in Sachen Klimaschutz und kann so ihre CO2-Emissionen um 8 Tonnen pro Jahr senken. Sie kommt mit dem Rad zur Schule, isst vegan, reist wenig und gärtnert viel. Sie kann aber durch ihr Auftreten keinen Schüler davon überzeugen, auch etwas zu tun. Auch dem dritten Lehrer ist der Klimaschutz sehr wichtig. Dieser erkennt aber frühzeitig, dass er nicht alleine die Welt retten kann. Er weiß zwar einiges, kennt aber ein paar Dinge nicht, die zusätzlich gemacht werden können. Er steht gewissermaßen am Anfang seiner Bemühungen. Er kann seine CO2-Emissionen von 10 auf 6 Tonnen reduzieren, mit dem Ziel langfristig auf 2,5 Tonnen zu kommen. Ihm ist aber wichtiger, viele auf seinem Weg mitzunehmen und eventuell langsamer voran zu kommen als den Weg schnell hinter sich zu bringen und keinen Mitstreiter zu haben. Auf seine Schüler hat er eine so große Wirkung, dass er ihnen als Vorbild dient. Sie übernehmen einige Dinge, die er vormacht. Die Schüler können ebenfalls ihre Emissionen um 4 Tonnen reduzieren. Zudem gruppieren sich einige zu einer Klimaschutz-AG. Der Lehrer konnte durch seine vorbildliche Lebensweise und seine Überzeugungskraft seinen Klimaschutzbeitrag nicht nur linear steigern, sondern er potenzierte diesen. Denn: Jeder Schüler oder Schülerin hat Eltern, Geschwister, Verwandte, Freunde und Bekannte, die ebenfalls mit in eine grüne Zukunft genommen werden.


Am Ende ist die Bilanz eindeutig:

0,25 Tonnen CO2-Einsparungen vs. 8 t vs. 4 t + 80 t + x.



Einflussnahme. Aber jeder oder jede kann Multiplikatoren schaffen, wenn dieser oder diese gewillt ist. An jeder Ecke befindet sich eine solche. Man muss nur die Augen offenhalten. Wichtig dabei ist: als Vorbild konsequent ohne faule Kompromisse voranzugehen. Andere folgen automatisch! Auch in unserem Buch ("Die 35-Tage Challenge") verraten wir dir in der letzten Woche ein paar Möglichkeiten, wie du deinen Wirkungsbereich erweiterst und nicht nur deine CO2-Emissionen langfristig reduzierst, sondern zum Lehrer drei wirst und die Emissionen von vielen anderen verringerst. Wir nennen diese Challenges Next-Level-Aufgaben. Nicht jeder arbeitet als Lehrer oder hat eine solche naheliegende Möglichkeit der



Was uns zurückbringt zum Eingang. Es dürfen viele glauben, dass sie als Einzelperson sowieso nichts ausrichten können. Es dürfen eben nur nicht alle so denken. Es reicht, wenn jeder 10te vielleicht sogar jeder 20ste als Vorbild vorschreitet, um so andere mitzureißen. Diese Tatsache stimmt uns froh, denn so können wir unser Ziel von 1,5 °C vielleicht doch noch zu erreichen!


Nächste Woche verraten wir euch, aus welchen Wassern ein echtes Vorbild gewaschen sein muss. Bis dahin!

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